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Rondrian Zornbold

Als Rondrians junges Leben gerade 14 Sommer zählte, verlor er bei einem Reitunfall, bei dem er unglücklich mit dem Kopf gegen einen Ast schlug, jegliche Erinnerung an seine Herkunft und Familie. Als er zu sich kam, fand er nur sein treues Pferd „Sturmfell“, sowie das, was er bei sich trug. Ansonsten war ihm nichts geblieben. Er wusste nicht viel; konnte sich gerade an seinen Vornamen – Rondrian – und ein paar andere Dinge erinnern.

Rondrian ritt ohne ein sicheres Ziel durch die dichten amsivarischen Wälder und begegnete tagelang nicht einer wohlwollenden Seele. Eines Tages stellte sich ihm ein Söldnertrupp in den Weg; doch da er weder Geld noch Wertgegenstände besaß, konnten die Söldner an ihm nicht „verdienen“; stattdessen nahmen sie ihn in ihrer Mitte auf; ein Söldner zu Pferde, der wusste, wie er seine Klingen zu führen hatte, war in einer solchen Truppe stets willkommen.
So gewann Rondrian eine neue Identität. Mit dem ersten getöteten Feind, erhielt er den silbernen Dolch, der ihn als Söldner kennzeichnen sollte. Ein Laib Brot für ein kleines Mahl oder ein einfacher aber warmer Schlafplatz waren ihm nun Tag für Tag sicher, solange man einen Auftrag erhielt; doch die Bewohner der Städte und Dörfer brachten der Truppe kaum Respekt entgegen, da die Anwesenheit von Söldnern in den sonst so friedfertigen Gemeinden Amsivars stets Gewalt bedeutete.

Drachenfest09-0145

Rondrian hatte sich im Laufe der Zeit immer weiter von der Region entfernt, in der er nach seinem Unfall zu sich kam, und so fand er nicht heraus, ob jemand ihn vermisste. Zu seiner eigenen Überraschung war es ihm egal; er hatte das Gefühl, nun ein besseres Leben zu führen, als vor dem Unfall.

Kapitel 1 – Söldnerleben und das Land der Drachen
Die Aufträge der Söldnertruppe waren stets kleinere Scharmützel; mal hatte ein Bauer des einen Fürsten seine Schweine in den falschen Wald getrieben, mal mussten in einer Adelsfehde die Bauernhöfe und damit die Versorgung des Feindes niedergebrannt werden – so hatte Rondrian sich das Söldnerleben nicht vorgestellt, doch es gefiel ihm. Im Sommer zog er für reiche Adelige in den Kampf, während er im Winter an einem gemütlichen Feuer, eines dankbaren Auftraggebers sitzen durfte. Obwohl er mit seiner Truppe ein bescheidenes Leben führen musste, so fühlte er doch eine gewisse Erfüllung in seiner Aufgabe als Söldner.
In der Söldnertruppe war es üblich, dass man sich nach einer gewissen Zeit einen Beinamen verdiente. So geschah es, dass Rondrian nach einem Gefecht gegen eine aufständische Bauernmeute den Beinamen „Zornbold“ bekam, nachdem er allein dafür gesorgt hatte, dass auch der letzte Rebell seinen Widerstand aufgeben musste - Rondrian wütete im Kampf und schien den Tod nicht zu fürchten.
Wurde die Truppe unter Hauptmann Duran “Trinkfest” doch stets belächelt, so war jeder einzelne Söldner sehr zufrieden mit seiner Situation; sie waren zwar stets einem Auftraggeber hörig, doch auch auf gewisse Weise frei, denn sie konnten stets die stärkere Seite wählen und im fehdenreichen Sommer gab es stets Arbeit für die Gruppe; Durans Truppe stand meistens auf der Siegerseite, während die einfachen Soldaten der Gegenseite, sowie die Soldaten der königlich-amsivarischen Armee von den Söldnern stets belächelt wurden.
Eines Tages begab es sich, dass der Söldnertrupp eine besondere Aufgabe erhalten sollte. Hauptmann Duran hatte eine Vision von Inseln, die von Drachen beherrscht wurden und sah im Traum das Tor zu dieser Welt. Die Stimme einer Sendbotin rief sie zu diesem Portal und zu den Waffen und versprach Duran und seinen Männern reiche Beute.
So machten sich die Söldner auf den Weg…
Als der Trupp wieder in Amsivar auftauchte, schien sehr viel Zeit vergangen zu sein; Duran glaubte, dass sich die Sterne verändert hatten, was in Amsivar ein sehr böses Omen bedeutete.
Die Reise in die Drachenlande hatte ungeahnte Folgen: Einerseits hielt die Sendbotin ihr Versprechen – Der Trupp führte Krieg gegen Wesen, die dem Chaos dienten, gegen Orks und gegen Menschen alle Coleur und Herkunft und jeder Kam als verhältnismäßig wohlhabender Krieger zurück.
Da man als Söldner in Amsivar nicht sehr angesehen war, durften die Söldner dennoch nicht in feineren Häusern schlafen und bekamen auch kein üppigeres Essen als sonst.
Außerdem hatte sich das Land verändert, es war nicht mehr das Amsivar, dass sie kannten. Wälder und Flüsse waren verschwunden oder um Meilen gewandert. Wo früher Dörfer standen, waren heute keine mehr; alte Dörfer waren zu Städten geworden und neue Siedlungen entstanden. Die Menschen Amsivars waren ängstlicher geworden und der Trupp wurde bei seinem Nachtlager des Öfteren von Kreaturen überrascht, von denen man vorher nur Schauermärchen gehört hatte. Chimären, Trolle, Oger mussten sie bekämpfen und eines Tages gab es in der Stadt Anwerber, die für einen Krieg gegen Orks Soldaten suchten.
Der Trupp verachtete Soldaten, die in festem Dienste kämpften und ihrem immer gleichen Herrn verpflichtet waren. Ein bekanntes Lied unter den Söldnern brachte dies zum Ausdruck:
Doch die Lage in Amsivar hatte sich geändert; es gab neue Bedrohungen und viele Fürsten hatten ihre kleineren Fehden aufgegeben, um dem König an den Grenzen Amsivars in seinen größeren Schlachten beizustehen.
Für die Söldner gab es nun nicht mehr genügend Aufträge; keiner wollte sie mehr für seine Zwecke anheuern; nur der König bot für seine größeren Schlachten eine stattliche Summe.
So schloss sich der Trupp der königlich-amsivarischen Armee des Grafen von Nortilion an, um gegen eine Horde plündernder Orks in die Schlacht zu ziehen.
Die Streitmacht des Grafen unter dem stolzen Braunbärenbanner Nortilions wuchs bis auf 300 Seelen an und die Amsivaren zogen stolz und siegessicher gegen die Orks. Als sie einige Meilen vor dem Schlachtfeld amsivarische Kampflieder hörten, welche aus tausenden von Kehlen zu kommen schienen, vereinigten sie sich auch mit diesen tapferen Kriegern der vereinigten Städte Garbalon, Flurion und Astranat, welche die größte Zahl an disziplinierten Soldaten stellte. Die Banner der Amsivarischen Fürsten und des Königs wehten stolz im Wind als die Streitmacht am Nordstrand auf eine Invasionsarmee der Orks traf.
Die Söldner wurden als Fußtruppe zur leichten Infanterie Astranats und Nortilions gestellt, wo sie den Köder für die schwer gepanzerten Orks abgeben sollten. Mit Rufen und Liedern provozierten sie die Orks, sodass diese bald ihren General ignorierten und in ungeordneter Formation angriffen, sodass sie ein leichtes Ziel für die Panzerreiter Amsivars wurden, welche über die Dünen preschten, als die Orks nahe genug herangekommen waren.
Nur wenige Fußsoldaten fielen und der König von Amsivar selbst rettete an der Spitze der Panzerreiter einige Seelen vor den grausamen Klingen der Orks.
Viele ruhmreiche, aber auch viele verlustreiche Schlachten folgten, bei denen Söldner stets an vorderster Front kämpften.
Bald wurden jedoch sämtliche Söldnertruppen in die amsivarischen Armee zwangsintegriert; Die Truppe Durans wurde dabei vielfach ausgezeichnet und viele wurden direkt in höhere Ränge Befördert, da sie sich in der Schlacht bewiesen hatten.
Auch Rondrian wurde eine solche Ehre zuteil; da er einen niederen Herzog von Aklamar vor dem sicheren Tod bewahrte.
So wurde Rondrian schnell zum 1. Rittmeister unter dem Marschall der Leibgarde von Prinz Tristan von Amsivar und stritt an der seite des Prinzen so manche Schlacht.

Kapitel 2 – Der Abstieg des Rondrian Zornbold
Rondrian erwies sich als hervorragender Reiter und Kämpfer; er gewann durch viele Schlachten an der Seite des Prinzen dessen wohlwollen und Vertrauen. So geschah es, dass der Prinz ihn eines Tages zum Leibwächter seiner Verlobten machte. Als solcher verbrachte er viel Zeit auf dem Schloss der edlen Dame.
Sie lauschte gern seinen Geschichten von den Gefahren des Söldnerlebens, der alten Welt Amsivars und den Drachenlanden. Viele, die diese Geschichten sonst hörten, konnten oder wollten sie nicht glauben; auch hörte man von der alten Söldnertruppe nichts mehr
Bald fanden sich jedoch auch in den Dörfern Zuhörer für die Geschichten Rondrians, sodass er bald ein angesehener Geschichtenerzähler war. Da er einen stattlichen Sold erhielt, verlangte er niemals Geld für eine Geschichte, dafür erzählte er aber auch nur, wenn ihm danach war. Das Volk und vor allem die zukünftige Prinzessin dankten es ihm dennoch.
Er verbrachte allerdings zu viel Zeit mit der Prinzessin, sodass sie sich ihn verliebte und auch er ihrer Schönheit nicht widerstehen konnte. Beide versuchten ihr Verhältnis geheim zu halten, doch wurden sie von einem Kammerdiener erwischt. Dieser ließ gleich einen ausführlichen und mit Übertreibungen ausgeschmückten Bericht an den Prinzen schicken und bald musste der Prinz Rondrian von seinem Hofe verbannen und Rondrian verlor die Stellung als 1. offizier der Reitergarde in der Armee des Prinzen; welche in den ruhiger gewordenen Zeiten nicht mehr viel zu tun hatte.
Der Prinz hätte Rondrian für dieses Vergehen hinrichten lassen oder für Vogelfrei erklären können, doch war er gnädig und beließ es bei der Verbannung.
Zunächst wieder ziellos, geriet Rondrian bald an den Grafen von Nortilion, der mit seiner Armee gegen ein wildes Volk zog, das angeblich an den Stränden Amsivars gelandet war.
Der Graf hatte von Rondrian und seiner Geschichte gehört und wollte den Soldaten gleich in sein Gefolge aufnehmen. Er fürchtete allerdings, dass die Soldaten ihn nicht akzeptieren würden, wenn sie von seiner Geschichte erführen, so behielt er sie für sich.
Nur Rondrian erzählte gern und oft von schönen Prinzessinnen, den Drachenlanden, der alten Welt und anderen Geschichten. Durch die Geschichten, die ihm keiner glaubte, hatte er bald ein gutes Verhältnis zu den Soldaten aufgebaut. Niemand ahnte, dass viele seiner Geschichten der Wahrheit entsprachen; so nannten sie ihn Bald liebevoll den 1. Offizier der Märchengarde oder den streitenden Barden. der Graf, der ihn zunächst als Leibgardisten angestellt hatte, ernannte ihn zum 1. Provosten seiner Armee. Von da an war Rondrian zuständig für die Überwachung von Befehlsausführungen, die Moral der Armee und er wurde zur rechten Hand des Grafen; durch ihn war oft das gute Verhältnis zwischen dem Grafen und seiner Truppe gewährleistet.
Nicht nur, dass er für den Grafen, obwohl kein Offizier, ein ausgezeichneter Militärstratege und Soldat war, kam er doch oft besser mit den einfachen Soldaten zurecht. Er erzählte gern seine Geschichten, kochte sogar für die Truppe und half aus, wo auszuhelfen war. Er wurde bald zum ersten Ansprechpartner bei Problemen und Schwierigkeiten und hatte bald nach seinem Ruf als Märchenonkel den dritten Spitznamen „Mutter Zornbold“ erhalten. Besonders unter den Soldaten und Hauptleuten der Armee fand er schnell Freunde, so ging er des Öfteren mit Hauptmann Grollock in die Tavernen, wo sie gemeinsam spielten, sangen, Geschichten erzählten und nicht zuletzt viele Wirte um einige Fässer Bier und Met erleichterten.